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HERZLICH WILLKOMMEN!

Vorab:

Ich verwende auf diesem Blog generell das Du als Anrede für meine Leserinnen und Leser.  Das hat nichts mit mangelndem Respekt oder plumper Vertraulichkeit zu tun. Es erleichtert mir das Schreiben auf Augenhöhe, denn ich bin einer von Euch. Kein Ausnahmeathlet, kein Topläufer. Einfach nur einer, der Spaß an Bewegung hat. Meistens jedenfalls.  Ich freue mich, dass ihr euch hierher geklickt habt. Ich laufe für mich und schreibe für Euch.  Viel Spaß.

 

Kontakt: maigo.kraemer(at)web.de 

Die November Kolumne!

Veröffentlicht am 29.10.2017

Frohes neues Jahr!

Hä? Krämer dement? Mit 61? (Noch) nicht Leute. Am 31.10. endet das Laufjahr bei meinem Verein, der SG Stern Mannheim, Laufsparte. Es beginnt in der kommenden Woche also mein neues Sportjahr. Mit meinem 5er am vergangenen Wochenende habe ich gerade noch die Kurve gekriegt und seit November 2016 fünf Wettkämpfe unter dem Vereinsnamen absolviert. Fünf. Die sollte man abgehakt haben, will man an der Weihnachtsfeier die Jahresgabe erhalten. (Immer schicke Sachen!) Und dafür ist der in einem Sportverein??? Hallo? Wäre ich nicht in der SG oder bei den Athletes for Charity, hätte ich wahrscheinlich keinen einzigen Wettkampf gepackt. Das soll nun wieder anders werden. Wie immer an Neujahr, so habe ich auch diesmal gute Vorsätze. Mehr bewegen, weniger Junkfood, weniger Süßkram. Ja ich weiß, die halten maximal bis zum nächsten Graupelschauer oder noch weniger. Gerade deshalb mache ich die ja nun öffentlich, facebookig quasi. Ihr dürft mich auch ruhig drauf ansprechen, wenn ihr mich mal wieder beim Eis-Oberfeld oder beim Mäckes anstehen seht. Denn die Bewegung habe ich mir aus zwei Gründen verordnet: erstens als Ausgleich für meine überwiegend Fahrersitzende Tätigkeit und zweitens (der wichtigere Grund) um meinen Diabetes im Zaum zu halten. Mein Lebendgewicht tendiert mittlerweile wieder in Richtung 90 Kilo, heißt: Zehn Kilo müssen im kommenden Jahr weg. Besser Elf ... oder 15 ... Ich höre sie schon lachend rufen: "Kleines dickes Krämer will wieder mal abnehmen? Har Har Har! Isst Ronald McDonald Knäckebrot?" Schnauze! Ich mein das ernst! Deshalb habe ich meine Vorsätze vorauseilend gefasst: in der vergangenen Woche war ich immerhin über 3 Stunden lang sportlich aktiv. Dreimal laufen, einmal walken mit Moni. Okay, walken ist eigentlich spazierengehen, jedenfalls so wie wir das machen. Dafür habe ich aber auch nach einer durchsoffenen Partynacht zusammen mit Ingo, der die Schnapsbar genaus so gut beherrscht wie den Weber-Grill, einen AVL absolviert. AVL = Alkohol-Verdunstungs-Lauf. Vier Einheiten sollen von nun an mein Wochenmaß sein. Mindestens! Die anstehende Woche bietet reichlich Gelegenheit dazu: Zwei Feiertage und das traditionelle Neulaufjahrs-Event der SG Stern auf dem Hockenheimring. Am Montag werde ich wieder meinen wöchentlichen Yogakurs besuchen, am Dienstag einen flotten Fünfer als Vorbereitung für den Zehner am Mittwoch einplanen mit Aufwärmrunde Moni-Walking. Am Freitag einen entspannten Zehner nach der Arbeit und am Sonntag wieder Moni-Walking mit anschließender Hausrunde. (Acht oder Zehn Kilometer. Ernährung ist nicht wirklich gesund, aber besser als bisher: Alk-Freies Bier und Riesling-Schorle als Sportgetränk, Vollkornbrot statt Weißmehlpappe, Buttermilch/Kefir täglich 500ml zur Eiweißversorgung plus tägliches Osterei und: Ehne mehne Muh, ab und zu ein Stück Kuh. Ach ja ... da ich mir die Schokolade und die Nachso ersatzlos gestrichen habe, darf es morgens bittschön ein zuckerverseuchtes Knuspermüsli sein. Irgendwas brennwertiges muss mein Körper haben. So lieber Ingo, lieber Sascha: nehmt mich ruhig beim Wort. Im kommenden Jahr werde ich mindestens zwei Halbmarathons anvisieren und meinen ersten AK-Pokal holen. (Was der Sascha kann, kann ich auch!!!) Wir sehen uns Freunde, in Feld und Wald und auf der Wettkampfstrecke. Um es mit Schwarzenegger auszudrücken: Ei bi böck, wög mit döm Spöck! Eure Marathonne.

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Endlich! Die Oktober-Kolumne

Veröffentlicht am 07.10.2017

Hau rein Marathonne!

 

Heute laufe ich einmal während der Fahrt!

Nun, das geht sicher schlecht auf dem Beifahrersitz eines Autos, dem Sozius eines Motorrades oder in der überfüllten Straßenbahn. In einem ICE schon eher, bloß dass man da doof angeschaut wird. In einem Flugzeug würde man wahrscheinlich augenblicklich von einem bewaffneten Air-Marshal an den Sitz gefesselt werden und das Laufen auf der Ladefläche eines fahrenden Lkw ist auch nicht unbedingt zu empfehlen.

Dann eben auf einem Schiff. Das Deck eines Supertankers kann schon mal die Fläche von vier Fußballfeldern einnehmen. Bei all den darauf verlegten Rohrleitungen wäre es allerdings eher für olympische Hürdenläufer geeignet. Flugzeugträger? Schön flach, aber überaus gut bewacht. Bliebe ein Kreuzfahrtschiff. Diese haben einen in den meisten Fällen sehr gut bestückten Fitnessbereich an Bord. Oftmals an einen ebenso attraktiven Spa-Bereich angeschlossen. Eisenstemmen, Crosstrainern, Laufbandeln und Sitzradeln mit nachfolgendem Sauna-, Rasul- und/oder Massageprogramm ist doch der Himmel auf Erden, bzw. Wassern oder? Auch befindet sich irgendwo auf einem gottverlassenen Oberdeck noch eine Laufbahn. Die meistens verwaist ist, da der übliche verdächtige Kreuzfahrtpassagier die Laufstrecke von der Bar zum Restaurant als bedeutend attraktiver empfindet. Insbesondere die Start und Zielverpflegung. Gleich am ersten Tag auf See habe ich mir vorgenommen, der drohenden Schnellverfettung meines Körpers energisch entgegenzutreten. Die Abendessen haben hier an Bord mehr Gänge als mein Mountainbike, der allinklusive Suff in dem halben Dutzend Bars mehr Prozente als sämtliche Bergläufe der Welt und die allgegenwärtige Präsenz von Liegen, Loungesesseln und Barhockern erschweren es dem ehrgeizigen Hobbyathleten enorm, auf den Füßen zu bleiben. Da ich kollektivem Schwitzen in geschlossenen Räumen noch nie besonders viel abgewinnen konnte, zieht es mich als erstes auf die Laufbahn auf Deck 12. Mein Pott ist die Costa Mediterranea, mit knapp 300 Metern Länge und 32 Metern Breite schon ein ordentliches Stück schwimmendes Eisen. Italiener haben es geplant. Die fahren gerne Auto. Gerne schnell. Mit Laufen haben die es eher nicht. Kurz vor der Taufe fiel es ihnen ein: es soll doch tatsächlich Leute geben, die auf dem Schiff im Freien laufen wollen. Ups! Rasch einen Eimer gelber Farbe geholt und auf dem obersten Deck, direkt unter dem Signalmast einen Rundkurs hingekleckst. Viel Farbe haben sie nicht gebraucht. Die Runde ist ganze hundert Meter lang. Aber immerhin mit zwei Bahnhofsuhren auf jeder Seite des zu umrundenden Aufbaus (eine steht), und zwei Ruhebänken. für die Coaches wohl, oder zum Dehnen. Staunend stehe ich vor diesem Idyll. Außer mir ist keiner da. Damit auch ja keiner den Überblick verliert oder sich verläuft, befindet sich an der Wand eine Markierung: „Start“. Aber die Aussicht! DIE AUSSICHT!!!! Die ist genial: rechts schimmert die Costa Blanca im Dunst der Nachmittagssonne, links Meer, vorne Meer und hinten noch mehr Meer mit einer eindrucksvollen Schaumspur wie mit dem Lineal gezogen. Die Mediterranea ist auf dem Weg nach Malaga. Ich aktiviere die GPS-Uhr. Satelliten sollte es hier ja genug in Sichtweite geben. Es piept und ich setze mich in Bewegung. Gegen den Uhrzeigersinn, wie man das als Leichtathlet einmal gelernt hat. Gemütlich trabe ich in leichter Schräglage um den Block. Um Hüftschäden vorzubeugen, nehme ich mir vor, alle zehn Kilometer die Richtung zu wechseln. Wie bitte??? Alle zehn Kilometer? Auf einer Hundert-Meter-Runde? Krämer, hast du noch alle Nadeln an der Startnummer? Habe ich. Außerdem werde ich heute den bestehenden Halbmarathonrekord brechen, seit langem mal wieder mehr als zehn Kilometer abspulen und dabei ganz cool und lässig in die Sonne blinzeln. Schuld daran ist meine Laufstrecke, die samt daran hängendem Schiff mit 38 km/h durch das blitzeblaue Mittelmeer pflügt. GPS-Uhren messen immer die tatsächliche Bewegung. Die wissen nicht dass Krämers nicht auf Wasser laufen können. Folglich addiert sich beim Laufen in Fahrtrichtung mein tatsächliches Lauftempo von geschätzten 07.00 min/km zur Schiffsgeschwindigkeit hinzu, während es beim Laufen in Richtung Heck wieder abgezogen wird. Auf der Rundentabelle erscheint nach dem Lauf eine wunderschöne gleichmäßige Wellenlinie. Kunst im Diagramm sozusagen. In der Bordzeitung steht jeden Tag was für Seegang zu erwarten ist. Heute stand da „See: leicht bewegt“. Die „Medi“ ist ein modernes Schiff und so groß, dass eine leicht bewegte See, zumal im Inneren und in den unteren Decks so gut wie gar nicht spürbar ist. Am besten sieht man das, wenn das Lotsenboot kommt. Ein vergleichsweise winziges Schalüppchen mit kräftiger Maschine, das zumeist mit wild schäumender Bugwelle, bockend und hüpfend wie ein Rodeogaul an die Seite des unbeeindruckt dahingleitenden Riesen laviert und den Lotsen (Respekt!) förmlich ins Fallreep abwirft.

Gemäß dem physikalischen Gesetz von der Hebelwirkung sind die Ausschläge bei einem leichten Rollen des Schiffes (so nennt man das Schaukeln um die Längsachse, während das Auf und Nieder von Bug und Heck als Stampfen bezeichnet wird) höher als in der Nähe des scheinbaren Drehpunktes in der Schiffsmitte. Gut gegen Seekrankheit: Innenkabine untere Decks, mittig! (Ist man auch schneller bei den Rettungsbooten …)

Meine Laufarena ist so ziemlich das höchste, was man als Passagier an Bord erklimmen darf, demzufolge kitzelt die Spitze des Radarmastes gemütlich von links nach rechts an den wenigen flauschigen Wölkchen. Während dem Lauf länger da rauf schauen, kann eine schlagartige Destabilisation auslösen, ähnlich wie Druckbetankung mit schottischem Whisky. Wer schon mal eine Rolltreppe verkehrt herum hinunter- oder hinaufgelaufen ist, oder wen während der Fahrt auf einem Kirmeskarussell die Wanderlust gepackt hat (Krämere machen so was ständig), der weiß wie es sich anfühlt, wenn der Boden gar keiner ist. So schlingere ich auf meinen Runden wie der Dorf-Alky nach dem Stammtischabend. Schon merkwürdig, wenn mal am linken Bein einer nach unten zieht und mal am rechten. Doch nach kurzer Zeit kompensiert der Körper diese Asymmetrie und ich laufe mehr oder weniger wie immer. Der Wind pfeift, das Laufhemdchen flattert und die Kappe muss mit dem Schild nach hinten vor Flugambitionen bewahrt werden. Die Tempoanzeige meiner Uhr rast. Kilometerzeiten um die 01:40 Minuten rauschen durch und nach zehn Kilometern drehe ich um. Da waren gerade mal siebzehn Minuten vergangen. Das ich das noch erleben durfte! Mittlerweile haben sich noch zwei Walker hier oben eingefunden. Sie mustern mich wie Kodiakbären einen zu mageren Lachs und walzen los. Nebeneinander … Wir. Walken. Immer. So. Punkt. Also hat nun jede meiner Runden einen kleinen Extraschlenker. Ich freue mich über die Abwechslung. Der Esel am Göbelwerk freut sich ja auch über jeden Mistkäfer, der seine Spur kreuzt. Gegrüßt habe ich die beiden Walker aber nur einmal. Im heimatlichen Wald grüße ich immer. Auch wenn man sich öfter als einmal begegnet. Hier hieße das etwa alle siebzig Sekunden ein freundliches Grinsen und ein geschnauftes „Tach“ herauszupressen. Immerhin die beiden marschierten recht Flott und nach dem ich nach 36 Minuten meinen Halbmarathon gefinisht hatte, machte ich mich vom Acker, bzw. vom Deck. Der linke Mittelfuß, ein sensibles Stück Krämer, meldete sich. Laufen auf der Stahlbahn bringt wohl selbst meine luxuriös gedämpften Laufschuhe an ihre Grenzen. Also ausgiebiges Dehnen mit Blick übers Meer und Vorfreude auf abendliche Völlerei. Immerhin, als Weltrekordler habe ich mir das Galamenu redlich verdient.

Morgen gehe ich aufs Laufband. Ist zwar drinnen, aber mit Blick direkt nach vorne. Kann man sich einbilden, man treibe das Schiff an.

84800 PS … Hau rein Krämer!

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Die Juni Kolumne

Veröffentlicht am 29.07.2017

Der vergessene Schlüssel

 

Nein, dies ist keine Adaption eines Grimm’schen Märchens. Es ist eine typische Manni-Geschichte. Sagt jedenfalls die gewissenhafteste Ehefrau von allen.

Doch gemach, lasst uns von vorn beginnen:

An einem warmen Juni-Sonntagmorgen, für den weiteren Tagesverlauf waren Temperaturen um die 33°C angesagt, beschlossen der Laufkoch Ingo und ich ein tragfähiges Fundament für abendlichen Grillgenuss in form eines Zehn-Kilometer-Laufes zu legen. Da ich meinem Laufkumpel schon immer mal meine spezielle Stadt-Wald-Fluß-Runde in Mannheim und Ludwigshafen zeigen wollte, lud ich ihn kurzerhand in meinen schwarzen Zweisitzer - Nein, es ist keine Corvette, es ist ein Smart … und fuhr mit ihm an den Ort meines späteren Ruhestandslebens. Richtig, unter eine Mannheimer Brücke. Späßle g’macht. Im Schatten der Ostrampe der Kurt Schumacher Brücke stellten wir das Autochen ab und trampelten die Treppen hinauf auf den Rad- und Fußweg. Unter uns ein kunterbuntes Hafenpanorama schimanskischer Art wie es Duisburg auch nicht besser hingekriegt hätte. Container, Schrotthalden, Bahngleise und überall Lastzüge, Sattelauflieger und Lagerhäuser. Die Satelliten gaben uns den Startpieps und gemächlich bewegten wir unsere gemeinsame Masse von dreieinhalb Zentnern in Richtung Landesgrenze, die hier die Flußmitte war. Raus aus Bad-Würstchenberg, ab in die Palz! Unter uns, der Mühlauhafen mit seinen Containergebirgen, vor uns der Rheinkai mit seinen riesigen Speicherhäusern. Recht bald waren wir über dem Rhein. Ich spähte unauffällig nach links. Da lag sie! Die Bellriva, das Schiff, welches ich in meinem Krimi RiverMord als Vorbild gewählt hatte und auf dem ich während meiner Recherchereise Tino, den Kreuzfahrtleiter kennen gelernt hatte. Mit dem hatte ich ausgemacht, dass ich nach unserem Lauf mitsamt dem Kochkumpel dort einlaufen würde und ein zwei Weizenradler zu schnorren gedachte. Tino hatte begeistert zugesagt. Der Koch wusste von nichts. Den wollte ich damit überraschen. Als wir den Rhein überquert hatten ging es entlang der Kaianlagen und am Shoppintempel Rheingalerie vorbei in Richtung Luitpoldhafen. Da wo schon Tatortkommissarin Lena Odenthal eine Leiche gefunden hatte. Es war mittlerweile richtig schwül geworden und es wehte kaum ein Lüftchen. Ich führte in weiser Voraussicht einen Hüftgurt mit Trinkflasche und Futteral für den Autoschlüssel mit. Nach der Bewältigung der fies ansteigenden „Schneckennudelbrücke“ befanden wir uns nun auf der Parkinsel. Der asphaltierte Weg entlang des Rheins war Ludwigshafens Venice Beach. Zahllose Läufer, spaziergänger, Radfahrer und Selbstdarsteller waren hier unterwegs. Auf den angrenzenden Wiesen saßen ganze Sippen beim Picknick zwischen den ganzen Hinterlassenschaften der versammelten Rheinpfälzer Kampfhunde. Wir verloren das Rennen gegen einen zu Berg fahrenden Kohlefrachter, machten eine kurze Pause und ließen die Flasche kreisen. Die nächste Etappe führte durch den Auwald und wir genossen das bisschen Schatten unter den uralten Pappeln und Linden. Nach 7,5 Kilometern passierten wir wieder die fiese Wendelbrücke und liefen ein Stück weit auf der selben Strecke zurück. Kurz vor der Adenauerbrücke bogen wir nach links in die Stadt ab um an den Fuß der Brückenrampe zu gelangen. Die letzte Steigung! Schnaufend wie alte Güterzuglokomotiven schafften wir das auch noch im Laufschritt und ahnten, was die Autofahrer die uns sahen, dachten: „Schaut euch die beiden Moppel an! Die machen wenigstens was!“ Auf der Mannheimer Seite ging es über eine Treppe runter auf die Rheinkaistraße. vorbei am Haus Oberrhein erreichten wir den Liegeplatz der Bellriva. Ein Blick auf die Uhr: 9500 m. Also ordnete ich noch eine Runde um einen der großen Speicherklötze an. Exakt mit 10,01 Kilometer beendeten wir den Hitzelauf. Das Sonnendeck des Kreuzfahrtschiffs lag gleichauf mit dem Kai und eine Aluminiumplanke mit Geländer führte direkt zur dort befindlichen Cocktailbar.

Ich führte den verdutzten Ingo direkt dorthin, eröffnete der ebenso verdutzten Bartenderin, dass wir auf Einladung der Kreuzfahrtleitung das an Bord befindliche Getränkesortiment prüfen wollten und folgten der verdatterten Anweisung „Äh, der Tino ist unten in der Rezeption …“

Tino begrüßte uns herzlich und lud uns zu lauschiger Runde auf das Sonnendeck ein. Dort saßen wir, fachsimpelten über die Schifffahrt, den BvB und über bekloppte Laufeinheiten bei 30°C. Nach einem lockeren Stündchen verabschiedeten wir uns, beantworteten noch ein paar neugierige Fragen von Passagieren und gingen entspannt die zwei Kilometer zum Auto zurück. Eigentlich waren es nur anderthalb …

Dann fiel mir ein, dass ich ja meine Hüfttasche an Bord vergessen hatte! Ich hatte sie auf dem Stuhl neben mir abgelegt.

„Ach, da fahren wir eben mit dem Auto schnell zurück“, sagte ich zu Ingo, denn wir hatten unseren Stellplatz unter der Brücke ja gleich erreicht. Blöd nur, wenn in der vergessenen Tasche auch der Autoschlüssel ist … wie schon eingangs erwähnt: es gibt Menschen, die sagen, so etwas passiere nur mir.

So kehrten wir um und walkten im Geschwindschritt (zuviel Weizenradler gluckerte in der Körpermitte herum) zurück zum Rheinkai.

„Wann legt die Bellriva eigentlich ab?“, fragte Ingo als wir um die ecke des Speichers bogen.

„Jetzt“, antwortete ich frustriert und sah zu, wie der Spalt zwischen Kaimauer und Schiff rasch größer wurde. Die Bugstrahlruder ließen das Wasser aufschäumen und der Kapitän stand lässig am Außensteuerstand um gleich das Rondo einzuleiten. Die ist ein nautisches Manöver, welches das Schiff in die Gegenrichtung dreht.

„Hey, ich habe meine Tasche vergessen!“ Schrie ich rüber zum Sonnendeck. „Die ist unten! In der Rezeption!“ rief ein Passagier. Ich lief los. Wenige Meter entfernt führte eine Treppe bis fast zum Wasserspiegel hinunter. Ich trappelte runter und rief, man solle sie mir rüberwerfen. In der Rezeption liefen Leute aufgeregt herum, während das Schiff nun schon ein ordentliches Stück weit draußen war. So weit schmeißt keiner meine leichte Tasche, dachte ich.

„Wartet Leute, ich komm noch mal ran!“ erscholl eine Stimme über mir. Der Kapitän hatte unsere Not bemerkt und steuerte die 104 Meter lange und fast 12 Meter breite Bellriva wieder retour. Tino erschien in der Tür der Rezeption. als uns nur noch ein knapper Meter trennte, warf er mir die Tasche direkt in die Hände. Danke Tino! Danke Herr Kapitän! Ein echter Seemann mit Herz!

Ingo erwartete mich oben am Kai breit grinsend.

Wir winkten der nun wieder in Fahrt kommenden Bellriva begeistert hinterher. Der Kapitän steuerte ein elegantes Rondo mit Ausnutzung der Strömung und majestätisch nahm die Bellriva Fahrt auf.

Womöglich hat die beste aller Ehefrauen ja recht … Das ein vollbesetztes Kreuzfahrtschiff kehrtmacht um ihrem schusseligen Ehemann seine Tasche mit dem Autoschlüssel zurückzugeben, das passiert wahrscheinlich wirklich nur mir.

 

Bis denne, eure Marathonne

 

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Die Mai-Kolumne

Veröffentlicht am 29.07.2017

Mai-Kolumne

 

 

Return to (Doppel) Zentner

 

Seit zwei Wochen hat es mich mal wieder erwischt. Triefnase, chronischer Reizhusten und nun kam auch noch, „He, nehmt mich mit!“, eine Bindehautentzündung obendrauf. Dazu Kopfschmerzen und allgemeine Erschöpfung. An geregeltes Training ist nicht mehr zu denken. Der geplante Halbmarathon in zwei Wochen längst gecancelt. Vor drei Tagen bin ich mit Ingo eine feierabendliche Drei-Kilometer-Runde gelaufen. Mit einem 7er Schnitt. Danach war ich platt wie ein Autobahnfuchs und am nächsten Tag ging es mir noch fieser. Einige von euch haben mir dringend davon abgeraten, in meinem Zustand überhaupt Sport zu treiben. Nun ist in mir allerdings die Urangst aller Dicken tief verankert, dass, wenn ich nicht Laufe, ich innerhalb weniger Tage mehrere Kilo zunehme. Dass ich meinen Frust mit Süßkram und fettem Essen bekämpfe, macht es nur noch schlimmer. Return to Doppelzentner oder was? Elvis hat da doch auch mal was gesungen. Wenn das so weitergeht werde ich demnächst auch zur Brühwurst im Glitzeranzug. Was nun? Kürzer treten, auskurieren, dem Körper die Ruhe geben, die er verlangt. Das ist nicht so einfach für mich. Mein Geist ist rastlos, ruhelos und permanent neugierig. Ich bin einer der komplizierte Plots für 1800-Seiten-Romane in einer einzigen Nacht träumt, (tatsächlich geschehen) davon aus dem Schlaf schreckt und mitten in der Nacht die Eckdaten in den Laptop haut. Ein dystopisches Projekt, vor dem ich zunächst selber erschrocken bin. Das schreib’ ich, wenn ich in Rente bin. Auf dem Maimarkt mit meiner Verlegerin gleich den nächsten Solo & Tarzan Roman ausgeknobelt. „MaskenMord“. Fünf Tage lang Gespräche geführt, signiert, gelesen und für meine Bücher gebrannt. Heim, essen und ab ins Bett. Nächster Morgen zehn Stunden Lkw-Job. Aufladen, Abladen, Nachladen, Ladung sichern, Paletten stapeln, Tour ausarbeiten, Staus austricksen, schlecht gelaunte Kundschaft vollschleimen und die Kiste durch malerische Weindörfer quetschen. Alles mit Hundertpro Konzentration. Sonst schepperts. Geht gar net. Vor vier Jahren hat mich meine Ärztin in eine Reha geschickt. Diagnose: Burnout. Viel gelernt, viel vorgenommen. Gerade als ich mich wieder in der Spur hatte, passierte das Unglück mit meiner Moni. Hirnblutung, Überlebenschance 2%, wenn, dann schwerstbehindert. Die Ärzte irrten. Der liebe Gott auch. Er hat sie mir wieder zurückgegeben. Mittlerweile ist fast alles wieder gut. Fast. Entspanntes „Läbbe geht weiter“ ist nicht mehr. Sie hat ein Restaneurysma. Klein. Ungefährlich. Sagen die Ärzte. Wir wissen aber, dass es da ist. Entspannung? In der Reha nannten sie mich den manischen Manni. Stimmt. Ich rödele Tag und Nacht. Kein Wunder, wenn der Körper dann den Bremsfallschirm auslöst. Infekt. Krämer gibt keine Ruhe? Noch einen drauf. Immer noch erster beim Ratrace? Herzinfarkt. Dann ist Moni allein. DAS! Darf nicht passieren!

Trenn dich von dem, was dich belastet. Einer der Sprüche aus der Reha. Okay, weg mit den Krediten. Manchmal ist alles was ich brauche eine Tasse Kaffee und drei Millionen Euro. Dann aber weg mit der Steuererklärung. Die schiebe ich schon seit Januar vor mir her. Manfred heißt auf lateinisch Prokrastinateur. Mit einem vierstündigen Klimmzug vor dem Mac und mit dampfendem Laserdrucker habe ich das doch tatsächlich gepackt. Schulterklopf. Jetzt noch Rivermord fertigschreiben. Sind ja nur noch 130 Seiten. Schon schwieriger. Aber das belastet mich ja nicht. Das macht auch Freude. Okay. Dann kam Holger. Holger Moving Meier. Triathlet, Personal-Trainer und Ernährungsberater. Ein lieber Freund hat den Kontakt hergestellt. Danke Hartmut! Holger kennt sich aus. Der weiß von was er redet. Der weiß, das Laufen gut für kleines dickes Krämer ist. Nur nicht jetzt. Holger hat das gesagt, was auch viele von euch hier auf Facebook mir geraten haben: Lauf nicht, wenn du krank bist. Lauf dich nicht krank, lauf dich nicht kaputt, laufe um zu leben, nicht um tot umzufallen. Solche Worte von einem ehemaligen Leistungssportler zu hören, das beeindruckt mich. Der sagt nicht „Boah bist du fett, du musst unbedingt den Zehner unter einer Stunde laufen und du musst mindestens 45 Wochenkilometer ballern!“ Der sagt einfach nur: Laufe erst wieder wenn du mindestens eine Woche beschwerdefrei bist. Geh spazieren, leg’ dich in den Garten. Geh mit dem Fahrrad einkaufen, mach Yoga, ernähre dich vernünftig.

Diese Worte machten etwas wunderbares mit mir: ich begann mich zu entspannen. Spazierengehen, Radfahren, Yoga … Toll! Vernünftige Ernährung … Das wird schwer! Aber Holger hilft mir dabei. Und meiner Moni auch. Das können wir beide gut gebrauchen. Aber das ist dann eine eigene Kolumne wert.

 

Tschüßle bis denne, euer manischer Manni

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Die April Kolumne

Veröffentlicht am 10.04.2017

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Die März-Kolumne

Veröffentlicht am 10.04.2017

Der liebe Gott lacht gerne, oder: warum ich keine Pläne mehr mache

 

Den Spruch habt ihr alle schon einmal gehört: „Willst du Gott zum Lachen bringen, erzähl ihm von deinen Plänen“. Ich kenne den schon sehr lange und ich erzähl dem großen Alten da oben überhaupt nix mehr! Nützt aber nichts. Seit sich bei mir auf dem oberen Hinterkopf langsam aber sicher eine Platte ausbreitet, kann der noch besser in meinen Hirnkasten schauen. Beispiel? Bitte sehr: vor vier Wochen, Wade gezerrt. Laufpause. Wade wieder gut, zwei Läufchen gemacht zum schonenden Wiedereinstieg, schließlich ist für das Frühjahr so einiges geplant: Sandhofer Straßenlauf, Affenlauf im Heidelberger Zoo, Spargellauf in LA. Aber Mr. Schicksal war in Spenderlaune! Wadel gut, Stimme aus den Wolken: „Krämer, was hast du da am Hals?“ Ich: „Am Hals? Nix!“ Stimme aus den Wolken: „Da hast ne Halsentzündung! Har har harrrr!“ Hals kratzt. Okay bisserl kratzen kratzt mich nicht. Am zweiten Tag war aus dem Kratzen ein übles Aua geworden, die Stimme rutschte in Don Vito Corleones Keller und der Schädel tat, als wären alle meine Single Malt Buddels plötzlich leer. Laufpause. Pause? Guter Witz. Okay, solche grippalen Scharmützel dauerten bei mir bisher maximal drei Tage. Bewährte Vorgehensweise: Ernährung auf rezeptfreie Medikamente, Kamillentee und alkoholhaltige Nachtsäfte umgestellt. Nach drei Tagen gesellte sich ein hartnäckiger Reizhusten dazu. Okay: dafür hat es in unserer Teekiste extra Reizhustentee. Der tat auch was draufsteht: kaum einen Schluck getrunken, hustete ich wie ein Mörser. Der Husten befeuerte den Kopfschmerz, der Hals fühlte sich an wie meine Parmesanreibe und von den 800 Gramm Salbeipastillen pro Tag wurde mir schlööcht. Laufen? Hä? Aus den drei Tagen wurden drei Wochen. Dann gute Idee gehabt! Zum Arzt gehen. Bei mir ist das eine richtig nette und dazu noch hübsche Frau Doktor, bei der ich durch Mitwirkung meiner dort arbeitenden richtig netten und wunderhübschen Tochter einen kurzfristigen Termin bekam. „Wie lange haben Sie das schon?“ „Drei Wochen“. „Idiot“. Das sagte sie nicht, aber ich hätte es ihr nicht mal verübelt. Antibiotika rein, Krätzhals, Brummschädel, Drachenhusten raus. Gut is. Das letzte Antibiotika nahm ich vorgestern. Den ersten Lauf (Läufchen, aber so richtig „chen“) gestern mit meinem Laufkoch (nicht Coach, wirklich Koch!) Ingo absolviert. Vier Kilometer auf der Rollatorrunde hinter dem Altenheim. 28 Minuten. Wenigstens keine halbe Stunde. Heute war eigentlich eine Wiederholung geplant, aber ich hatte am Nachmittag einen Termin in Heidelberg. Deshalb den geplanten Kleinteileeinkauf beim Bin-Doch-Blöd-Markt mit dem Fahrrad absolviert. 14 Kilometer. Immerhin. (Seit einem Jahr das erste Mal wieder auf meinem Biergartenbike gesessen) Mein Plan: Autsch, bloß keine Pläne! Am Freitag in Amsterdam eine Sightseeing-Runde im Lauftempo und anschließend gemütlich per Fahrrad um die Grachten gondeln. Amsterdam? Zwecks Recherche für meinen neuen Roman „RiverMord“ habe ich eine fünftägige Flusskreuzfahrt gebucht. Von Köln nach Holland und wieder retour. Darüber gibt es nächste Woche eine eigene Kolumne. So ist der Plan. Plan? Krämer! Also ich mach da jetzt ernst mit. Der einzige Lauf, für den ich im voraus gebucht habe, ist der Affenlauf im Heidelberger Zoo am  9. April. Da kriegt man sonst keinen Startplatz mehr. Ansonsten wird nix in Worten: N-I-X mehr geplant. Spargellauf? Wenn ich fit bin und wenn ich trainiert bin dann ja, ansonsten nicht. Sandhofer Straßenlauf? Da bin ich in Holland. Eventuell … kann ja sein, dass ich morgen früh aus dem Bett steige und mir die Knochen br… bloß nichts beschreien! Oder das der Rhein austrocknet, oder mein Zug nach Köln in den Südural umgeleitet wird, oder Donald Trump eine Mauer um Lampertheim zieht oder, oder, oder. Nein, lieber Gott. Ich mache keine Pläne mehr. Weder für die anstehende Reinigung meines Kaffeeautomaten, noch für irgendwelche Laufevents. Ich laufe, wenn ich Lust dazu habe, wenn ich es gesundheitlich verantworten kann und wenn es mir gut geht. Ein Halbmarathon im Herbst? Ein Staffelmarathon? Berglauf nächste Woche? So Gott will …

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Das Krämer-Experiment!

Veröffentlicht am 14.02.2017

Lauf der Woche:
Das Krämer-Experiment!

Zum Laufen braucht man nicht viel. Heißt es. Laufschuhe, Funktionskleidung, gut ist. Laufen kann man immer und überall. Heißt es. Auch in der Mittagspause. Nur frisst ein halbstündiger Lauf inklusive Vor- und Nachbereitung (Umziehen - Laufen - Duschen - Umziehen) die komplette Pause auf. Essen? Was lesen? Nickerchen? Fehlanzeige! Hier greift das Krämer-Experiment. Ich wollte wissen, ob es möglich ist, den Motor abzustellen, die Fahrertür zu öffnen, auszusteigen und einfach loszulaufen. so wie man gerade ist. Um das Risiko möglichst gering zu halten, habe ich den Testlauf allerdings erst am Ende meines Arbeitstages absolviert. Meinen treuen Laufgefährten, den rasenden Pulled-Pork-Barbecue-Master Ingo habe ich kurz vorher informiert und als ich meinen Laster laut piepend rückwärts in meinen Hof rangierte. kam er auch schon an: Laufschuhe, Funktionsklamotten, High-Tech-Socken. Ungläubig musterte er mein Laufoutfit: S3 Schutzschuhe (zusammen 1610 gr.) Schwere Baumwolllatzhose von Engelbert-Strauss, Baumwollshirt, Kunstfaser-Fahrerweste, Baumwoll-Basecap von Rosenbauer. Immerhin, meine Unterhose in Sexy-Retro-Kastenform ist aus Kunstfaser. Es steht Baci auf dem Bund, sie stammt von einem Livorneser Markt-Grabbeltisch. Die Sonnenbrille ist eine schwere Rayban und die Müffelsocken sind aus Baumwolle mit Stretchanteil. die ganze Ausrüstung bringt geschätzte vier Kilo auf die Waage. Das einzige Laufutensil ist meine Polar M400. Die klicke ich an und als das GPS aufmunternd zirpt geht es los. Ach ja: die Schuhe sind neu. Die hatten heute ihren ersten Arbeitstag. Die ersten befremdeten Blicke treffen uns, als wir durch die nahe Fußgängerunterführung die Bahnlinie Mannheim-Frankfurt unterquerten. "Haben Sie einen grauweißen Lkw gesehen?", hechle ich dem verdutzten alten Herrn entgegen, der automatisch den Kopf schüttelt. Ob er die Frage verneint, oder meinen Geisteszustand damit kommentiert bleibt offen. Laut knallen die S3 durch die Betonschlucht. Erster Nachteil: die Dinger sind so flexibel wie ein Vierkantrohr aus Stahl. Aber Grip haben sie. An der Grenze des Wohngebietes biegen wir links auf den Rookie-Ring ein. Eine Zwei Kilometer lange Schleife, auf der jederzeit eine Unterbrechung dieses idiotischen Vorhabens möglich ist. Angezettelt sind Fünf Kilometer. Bereits nach zweien habe ich keine Lust mehr. Meine rechte Wade, die ich mir am Sonntagmorgen bei einer allzu engagiert angegangenen Treppenübung gezerrt habe meldet sich spürbar. Deswegen bin ich die ganze Woche nicht gelaufen. Und jetzt das! Da: Spaziergänger! Locker schwebt der Grillmaster auf seinen gelgedämpften Schläppchen neben mir her. Ich schnaufe wie nach einer Intervalleinheit. Das T-Shirt klebt an meinem Oberkörper, die Joppe hält wenigstens den Wind ab, innerlich dampft sie. Laufaufguss nennt man das oder? Die Hose schlabbert um Knie und Schenkel und da ist er schon: Kilometer zwei! "Noch ne Runde?" fragt der Koch und ich nicke. Lust habe ich keine mehr, aber einen läppischen Fünfer werde ich doch noch hinkriegen. Immerhin verhindert die Baci-Unterbux, dass ich mich an der Arbeitshose Wundscheuere. Die Schuhe scheinen mittlerweile zehn Kilo zu wiegen. Immerhin, der Trainingseffekt ist sicher besser. So ähnlich wie Laufen mit Gewichten. Die fette Rayban ätzt sich in den Nasenrücken, ich stecke sie ein und wische mir den Schweiß von der Stirn. Unter der dicken Kappe herrscht die gleiche Temperatur wie bei Ingos Schmorbraten. Dann endlich die Unterführung! Noch fünfzig Meter. Ich nehme die Stufen. Die sind einen guten Meter breit und zwingen zu flotter Gangart. Klack-Klack-klack, hier kommt der Eisenschuh! Piep sagt die Polar und zeigt mir 36 und gequetschte als Zielzeit. Okay. Immerhin. Ich bin durchgeschwitzt, aber die Füße haben sich erstaunlich gut gehalten. Und das, obwohl die S3 Straßenschuhgröße haben. Doch bei einem Zehner, vielleicht sogar bei einem Achter hätte ich sicher Probleme mit den Zehennägeln bekommen. Ich unterhalte mich noch ein wenig mit dem Runner's-Koch und coole recht schnell down. Wenn ich bei einem Kunden im Sommer die Seite des Lkw-Aufbaues komplett aufmachen muss, bin ich genauso nass. Theoretisch könnte ich jetzt meine Tour fortsetzen oder noch gute zwanzig Minuten Mittag machen. Fazit: Geht. Muss man aber mögen. Bis zum nächsten Experiment. Eure Marathonne.

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Februar Kolumne

Veröffentlicht am 02.02.2017

Lauf doch einfach vor der Arbeit!

 

 

 

Im Ranking der blöden Sprüche ist dieser in meinen persönlichen Top-Ten ziemlich weit vorne. Weil: ich arbeite nicht von zu Hause aus. Meine Arbeitszeit beginnt NICHT um 09.30 Uhr und ich arbeite wirklich. Mit Händen und Füßen und manchmal auch mit dem Kopf. Auch habe ich nicht die Vergünstigung regelmäßiger Arbeitszeit. Feierabend ist wenn fertig ist. Das kann auch schon mal um 15.00 Uhr sein. Ab und zu aber auch mal später und noch ab und zu-er richtig spät. Planen Sie Ihre Laufeinheiten … Halt Stop! Fehler: Planung. Planung geht gar nicht. Jedenfalls nicht bei mir. Der liebe Gott lacht nämlich gerne über mich. (?) Ach so, könnt ihr nicht wissen: Mein Leben hat eine Überschrift: „Willst du Gott zum Lachen bringen … erzähl ihm von deinen Plänen.“ Eine echte Weisheit! Aber bleiben wir doch beim Thema. Laufen vor Arbeitsbeginn. Verlockend: den ganzen Rest vom Tag, lebt man(fred) in der Gewissheit, bereits seine Einheit hinter sich zu haben. Für einen der sich zum Sport zwingen muss (Nein, es macht mir keinen Spaß! Jawohl, ich liebe es auf der Couch zu lümmeln und Süßkram in mich reinzustopfen) also für so einen, ist das schon toll. Außerdem bin ich vom Biorhythmus her ein Nachmittag- und Abendläufer. Es ist für mich bereits eine Herausforderung aus dem Bett zu kriechen und mich die steile Treppe ins Dachgeschoss hinauf zu schleppen, wo sich mein Bad befindet. JA! Ich habe ein eigenes Badezimmer! Es ist halb so groß wie das in einem ausgebauten Bulli, aber es hängt ein Harley-Davidson-Schild drin. Okay, es ist Rosa (Das Bad, nicht das Schild), denn es war mal das unserer Tochter. Deshalb auch das Schild. Nun ist es MEIN Männerbad. Mit Bartstoppeln im Waschbecken, müffelnden Laufklamotten auf dem Boden und einem Spiegel voller Zahnpastaspritzer. Neidisch? Jedem das, was er verdient. An jenem Morgen, über den ich hier schreibe, glotze ich aus verquollenen Augen bereits eine halbe Stunde vor meinem üblichen Morgenapell in den Spiegel. Wegen dem Experiment! Yep, ich will das einfach mal ausprobieren, was diese Burschen meinen, die sagen, man kann sich an alles gewöhnen und Laufen am frühen Morgen sei eh besser und, und und. Sch… ich bin hundemüde.

Aber heute gilt das. Raus in den finster dräuenden Morgen und der Tag ist dein Freund. Dumm nur, dass um diese Jahreszeit morgens um Fünf noch die Nacht regiert. Inklusive Minus fünf Grad Celsius und dreckigem Wind. Waschen und Zähneputzen erst nach dem Lauf. (Gut gegen Vampire) Also nur kurz eine Handvoll Kaltwasser ins Gesicht und rein in die Laufklamotten. Leise wieder runter (Die beste aller Ehefrauen muss erst um 10.00 Uhr zur Arbeit) Augen auf bei der Berufswahl, Krämer! Was? Meine Moni passt viel besser in den Schicki-Micki-Salon unseres Sohnes, als ein alter Graubart mit Biker-Hoody und Basecap? Kann sein. Blick auf die Uhr: Fünf Uhr zwölf. Da dies ein Experiment ist, geht es nur einmal um den Block. Das sind 1,7 Kilometer. Mich interessieren die Vor- und Nachlaufzeiten, nicht die Halbmarathonbestzeiten. Schlüssel eingesteckt (die Liebste kann richtig garstig werden, wenn man sie vor Sechs Uhr aus dem Bett klingelt) und in den Filzschlappen durch den Hof zum Schuppen geschlurft. Dort sind die schlammverkrusteten Lauftreter interniert. Spinnen und Asseln rausschütteln und mit knackenden Gelenken und dem typischen Top-Fifty-Seufzen angezogen. Wollkappe auf, GPS-Taste gedrückt und Richtung Hoftor wanken. Fünf Uhr sechzehn. Piep-Piep macht die Polar und ich setze mich mit rollenden Schultern und gesenktem Blick in Bewegung. Der erste Hund begegnet mir nach hundert Metern. Frauchen wirft mir einen vorwurfsvollen Blick zu („Wir gehen immer hier lang!“) lässt aber die Fünfzig-Meter-Freibeißleine auf ein beherrschbares Maß einrollen. Die Töle ignoriert mich. Brav! Nach weiteren fünfhundert Metern ist meine Sehschärfe endlich so weit gediehen, dass ich den vermeintlichen Pitbull, der mir entgegenkommt, als Yorkshire identifiziere und mich schon mal auf auf keifendes Gekläff à la Heidi Klum vorbereite. Nichts dergleichen. Wahrscheinlich sind die Lumpis noch genauso müde wie ich. Blick zur Uhr: 750 Meter. Jemand stellt sich mir in den Weg, ich werfe mich nach rechts, der U-Bahnschläger trifft mich an der Schulter. Hart wie ein Eisenpfahl. Autsch Verd… Ich torkele benommen weiter. Lampertheim hat gar keine U-Bahn … Aber Verkehrsschilder. Eines davon ist mir dreist in die Laufbahn gegrätscht. Ich hatte keine Chance. Ehrlich! Ich schwör, Alter! Wenigstens war es ein Vorfahrtsschild. Weiter! Wo Schmerz ist, ist auch Leben! Da, die Tanke! Dunkel, nur im Verkaufsraum das Nachtlicht, damit die Einbrecher nicht so viel kaputtmachen, wenn sie die Kasse suchen. Weit vorne leuchtet das Bäckerschild. Dort beginnt mein Endspurt. Ich biege in meine Straße ein. Keine Hunde mehr, keine bösartigen Schilder. Kein Verkehr. Mitten auf der Straße, die übrigens Teil des Lampertheimer Spargellaufes ist, trabe ich in Richtung Dusche, Nutella, Morgenzeitung und Kaff. Kaff! Kaff! Kaff! Schnaufe ich und schaue auf die Polar: 05:50 min/km. Na also, geht doch. Kurz vor halb Sechs drücke ich vor meinem Haus die Stopptaste. „Glückwunsch, Sie haben 17% Ihrer Tagesaktivität erreicht“, zeigt die High-Tech-Zwiebel an. Ach leck mich doch … Im Schuppen bis auf die Unterhose alles ausgezogen und wie ein ertappter Ehebrecher halb-nackisch ins Haus gehuscht. Duschen, Zähneputzen, Haare schön und rein in die Arbeitsklamotten. Uhrzeit: 05.45 Uhr. Bitte? Fünfundvierzig Minuten für einen lächerlichen 1,7 km-Lauf? Geht’s noch? Ne! Das geht gar nicht! Laufen vor der Arbeit ist blöd. Be-El-Ö-Deee! Es sei denn, man arbeitet im schönsten Friseursalon der Stadt. Bis dorthin sind es übrigens so um die anderthalb Kilometer. Ich „schaff“ in Monnem. Das sind 17 Kilometer. Halbe Stunde mit dem Auto, zwanzig Minuten mit dem Moped, vierzig mit dem Fahrrad und in Laufschuhen … wisst ihr was? Vergesst es einfach. Immerhin, das Experiment „Morning-Run“ hat mir eine Erkenntnis beschert: Ich bin ein Nachmittags- und Abendläufer. Definitiv. Was, das habe ich weiter oben schon geschrieben? Hätte ich auch noch eine halbe Stunde liegen bleiben können. Vielleicht sehen wir uns ja  mal. Mittags oder Abends. Von mir aus auch Nachts. morgens garantiert nicht. Eure Marathonne. (Die Schulter tut immer noch weh)

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Januar Kolumne

Veröffentlicht am 02.02.2017

Vollbremsung!

 

Komischer Titel für einen Laufartikel? Nö. Das Reifenquietschen bezieht sich auf die zunehmende ernährungstechnische verschlamperung des geschätzten Bloggers. Weihnachten … ach je, wieder mal! Nochmal: Weihnachten mit seinen bereits im Spätaugust auftauchenden Dominosteinen, Nikoläusen und Lebkuchen, sowie dem immerhin einigermaßen termingerechten fetthaltigen Federvieh samt kalorienbombigen Desserts, ging nicht spurlos an mir vorüber. Knappe zehn Kilo versammeln sich nun in geschlechtsspezifischer Apfelform um die Körpermitte. Meine geliebte Gore-Windstopper-Jacke spannt faltenfrei. Der Kraftaufwand um die Jeans über den Achtersteven zu ziehen erhöht sich von Woche zu Woche und mein Gesicht hat sich von der angestrebten Clooney-Form zu dem eines rosigen Milupa-Bübchens entwickelt. „Gut siehst du aus“ höre ich immer öfter. Der gesellschaftsfähige Zwilling von „Fett bist du geworden.“ Nackisch zeigt die Waage 89,1 kg an, in kompletter Hauptberufskluft sind das dann 95. Fünf-Und-Neunzisch! Fast hundert! Wobei der letzte Check beim Doc auch noch eine um einen ganzen Zentimeter verringerte Körpergröße dokumentierte. BMI? Alarme schnarren durch die Gänge, rote Rundumleuchten blitzen und sonore Lautsprecherstimmen plärren: „Grenzwertüberschreitung! Grenzwertüberschreitung! Legen Sie sich flach auf den Boden, verteilen Sie ihr Gewicht auf eine möglichst große Fläche und warten Sie auf das Bergungsteam!“

Rettung? Da gibts nix mehr zu retten. Hier wird nur noch geborgen.

Vollbremsung! 900 Gramm vor der Schallmauer schmeiße ich ein halbvolles Glas Nutella in den Müll, kippe das Fertigmüsli in die Biotüte und stelle den Eimer (plus 100gr Gratis!) mit Gummizeug ins Speditionsbüro. Dann rüste ich ich für den Krieg gegen die Pfunde! Mein Schlachtplan:

 

Eins: Ich werde Mitglied in der SG-Stern Laufabteilung. Jährliche gemeinsame Laufreise, motivierende Unternehmungen und eine schicke Jahresgabe für alle, die an mindestens fünf Lauf-Veranstaltungen im Jahr teilgenommen haben. Kilometerfresser erhalten einen Pokal und auch das Segment der Gelegenheits- und Langsamläufer wird auf den Treffen Weightwatchermäßig beklatscht.

 

Zwei: Ich suche mir einen adäquaten Laufpartner mit dem ich mich regelmäßig verabrede! Gefunden habe ich meinen Nachbarn Ingo. Ein Koch und Grillmeister. Ups! Okay ich lass die Beilagen weg. Blöd nur, dass der die weltbeste Pizza macht. Zum Ausgleich habe ich aber noch einen schlanken und fitten Schwiegersohn, der die Krämerwalze ab und zu in ungewohnte Temposphären führt.

 

Drei: Dann kam Marco. Begründer und treibende (seeehr treibende) Kraft von Athletes For Charity. (A4C) Ein quirliger Sportler, der Aktionen zugunsten kranker Kinder ins Leben ruft. Dazu hat der eine so herzliche und mitreißende Art an sich, dass ich mich spontan als Supporter meldete. „Unstoppable“ ist seither auch mein Motto, was ja bisher eher für meine Leibesfülle galt. Schwitzen und Gutes tun. Für sich selbst, für die A4C Gemeinschaft und für Menschen, die trotz schwerer Erkrankungen auch mal wieder glücklich sein wollen. Eine wahrhaft große Motivation!

 

Doch genügt dies alles, um aus der Marathonne wieder einen Marathoni zu machen? Okay, Marathon laufe ich nicht mehr. Muss nicht sein. Habe ich alles schon zur Genüge hinter mir. Aber der Halbe ist immer noch angesagt. In diesemJahr zum Bleistift. Der Spargellauf in Lampertheim. Mit dem Koch! Der mir hoffentlich nicht davonläuft. Dann noch einen im Hochsommer und einen im Herbst auf einem Kreuzfahrtschiff. Im Ernst! Und nicht auf dem Laufband!

 

Vier: Dann dieser Blog! Gnadenloses Outing! Leser in Hamburg oder im Oberengadin können nicht kontrollieren, ob ich das, was ich hier so schreibsel auch wirklich mache, aber in meinem direkten Umfeld gibt es eine ganze Menge Leute, die mir sehr genau auf die Finger, Pardon, auf die Füße schauen und denen kann ich so schnell nix erzählen.

 

Wie schaut denn nun die neue Sportwoche aus?

So: zweimal kleine Läufe zwischen fünf und sieben Kilometer gewürzt mit Lauf-ABC Übungen und/oder Intervalleinheiten. Donnerstags Bootcamp, Sonntags Lauf-ABC mit abschließendem Lauf, der auch mal länger sein darf. Zu Bootcamp und Lauf-ABC gibt es demnächst eigene Artikel.

 

Ob ich das durchhalte? Bleibt diesem Blog treu (gibt es auch auf FaceBook „Die Marathonne“) und ihr werdet es erleben.

 

Bleibt in Bewegung, eure Marathonne

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Neuer Beitragstitel

Veröffentlicht am 20.03.2012
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