Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

Februar Kolumne

Veröffentlicht am 02.02.2017

Lauf doch einfach vor der Arbeit!

 

 

 

Im Ranking der blöden Sprüche ist dieser in meinen persönlichen Top-Ten ziemlich weit vorne. Weil: ich arbeite nicht von zu Hause aus. Meine Arbeitszeit beginnt NICHT um 09.30 Uhr und ich arbeite wirklich. Mit Händen und Füßen und manchmal auch mit dem Kopf. Auch habe ich nicht die Vergünstigung regelmäßiger Arbeitszeit. Feierabend ist wenn fertig ist. Das kann auch schon mal um 15.00 Uhr sein. Ab und zu aber auch mal später und noch ab und zu-er richtig spät. Planen Sie Ihre Laufeinheiten … Halt Stop! Fehler: Planung. Planung geht gar nicht. Jedenfalls nicht bei mir. Der liebe Gott lacht nämlich gerne über mich. (?) Ach so, könnt ihr nicht wissen: Mein Leben hat eine Überschrift: „Willst du Gott zum Lachen bringen … erzähl ihm von deinen Plänen.“ Eine echte Weisheit! Aber bleiben wir doch beim Thema. Laufen vor Arbeitsbeginn. Verlockend: den ganzen Rest vom Tag, lebt man(fred) in der Gewissheit, bereits seine Einheit hinter sich zu haben. Für einen der sich zum Sport zwingen muss (Nein, es macht mir keinen Spaß! Jawohl, ich liebe es auf der Couch zu lümmeln und Süßkram in mich reinzustopfen) also für so einen, ist das schon toll. Außerdem bin ich vom Biorhythmus her ein Nachmittag- und Abendläufer. Es ist für mich bereits eine Herausforderung aus dem Bett zu kriechen und mich die steile Treppe ins Dachgeschoss hinauf zu schleppen, wo sich mein Bad befindet. JA! Ich habe ein eigenes Badezimmer! Es ist halb so groß wie das in einem ausgebauten Bulli, aber es hängt ein Harley-Davidson-Schild drin. Okay, es ist Rosa (Das Bad, nicht das Schild), denn es war mal das unserer Tochter. Deshalb auch das Schild. Nun ist es MEIN Männerbad. Mit Bartstoppeln im Waschbecken, müffelnden Laufklamotten auf dem Boden und einem Spiegel voller Zahnpastaspritzer. Neidisch? Jedem das, was er verdient. An jenem Morgen, über den ich hier schreibe, glotze ich aus verquollenen Augen bereits eine halbe Stunde vor meinem üblichen Morgenapell in den Spiegel. Wegen dem Experiment! Yep, ich will das einfach mal ausprobieren, was diese Burschen meinen, die sagen, man kann sich an alles gewöhnen und Laufen am frühen Morgen sei eh besser und, und und. Sch… ich bin hundemüde.

Aber heute gilt das. Raus in den finster dräuenden Morgen und der Tag ist dein Freund. Dumm nur, dass um diese Jahreszeit morgens um Fünf noch die Nacht regiert. Inklusive Minus fünf Grad Celsius und dreckigem Wind. Waschen und Zähneputzen erst nach dem Lauf. (Gut gegen Vampire) Also nur kurz eine Handvoll Kaltwasser ins Gesicht und rein in die Laufklamotten. Leise wieder runter (Die beste aller Ehefrauen muss erst um 10.00 Uhr zur Arbeit) Augen auf bei der Berufswahl, Krämer! Was? Meine Moni passt viel besser in den Schicki-Micki-Salon unseres Sohnes, als ein alter Graubart mit Biker-Hoody und Basecap? Kann sein. Blick auf die Uhr: Fünf Uhr zwölf. Da dies ein Experiment ist, geht es nur einmal um den Block. Das sind 1,7 Kilometer. Mich interessieren die Vor- und Nachlaufzeiten, nicht die Halbmarathonbestzeiten. Schlüssel eingesteckt (die Liebste kann richtig garstig werden, wenn man sie vor Sechs Uhr aus dem Bett klingelt) und in den Filzschlappen durch den Hof zum Schuppen geschlurft. Dort sind die schlammverkrusteten Lauftreter interniert. Spinnen und Asseln rausschütteln und mit knackenden Gelenken und dem typischen Top-Fifty-Seufzen angezogen. Wollkappe auf, GPS-Taste gedrückt und Richtung Hoftor wanken. Fünf Uhr sechzehn. Piep-Piep macht die Polar und ich setze mich mit rollenden Schultern und gesenktem Blick in Bewegung. Der erste Hund begegnet mir nach hundert Metern. Frauchen wirft mir einen vorwurfsvollen Blick zu („Wir gehen immer hier lang!“) lässt aber die Fünfzig-Meter-Freibeißleine auf ein beherrschbares Maß einrollen. Die Töle ignoriert mich. Brav! Nach weiteren fünfhundert Metern ist meine Sehschärfe endlich so weit gediehen, dass ich den vermeintlichen Pitbull, der mir entgegenkommt, als Yorkshire identifiziere und mich schon mal auf auf keifendes Gekläff à la Heidi Klum vorbereite. Nichts dergleichen. Wahrscheinlich sind die Lumpis noch genauso müde wie ich. Blick zur Uhr: 750 Meter. Jemand stellt sich mir in den Weg, ich werfe mich nach rechts, der U-Bahnschläger trifft mich an der Schulter. Hart wie ein Eisenpfahl. Autsch Verd… Ich torkele benommen weiter. Lampertheim hat gar keine U-Bahn … Aber Verkehrsschilder. Eines davon ist mir dreist in die Laufbahn gegrätscht. Ich hatte keine Chance. Ehrlich! Ich schwör, Alter! Wenigstens war es ein Vorfahrtsschild. Weiter! Wo Schmerz ist, ist auch Leben! Da, die Tanke! Dunkel, nur im Verkaufsraum das Nachtlicht, damit die Einbrecher nicht so viel kaputtmachen, wenn sie die Kasse suchen. Weit vorne leuchtet das Bäckerschild. Dort beginnt mein Endspurt. Ich biege in meine Straße ein. Keine Hunde mehr, keine bösartigen Schilder. Kein Verkehr. Mitten auf der Straße, die übrigens Teil des Lampertheimer Spargellaufes ist, trabe ich in Richtung Dusche, Nutella, Morgenzeitung und Kaff. Kaff! Kaff! Kaff! Schnaufe ich und schaue auf die Polar: 05:50 min/km. Na also, geht doch. Kurz vor halb Sechs drücke ich vor meinem Haus die Stopptaste. „Glückwunsch, Sie haben 17% Ihrer Tagesaktivität erreicht“, zeigt die High-Tech-Zwiebel an. Ach leck mich doch … Im Schuppen bis auf die Unterhose alles ausgezogen und wie ein ertappter Ehebrecher halb-nackisch ins Haus gehuscht. Duschen, Zähneputzen, Haare schön und rein in die Arbeitsklamotten. Uhrzeit: 05.45 Uhr. Bitte? Fünfundvierzig Minuten für einen lächerlichen 1,7 km-Lauf? Geht’s noch? Ne! Das geht gar nicht! Laufen vor der Arbeit ist blöd. Be-El-Ö-Deee! Es sei denn, man arbeitet im schönsten Friseursalon der Stadt. Bis dorthin sind es übrigens so um die anderthalb Kilometer. Ich „schaff“ in Monnem. Das sind 17 Kilometer. Halbe Stunde mit dem Auto, zwanzig Minuten mit dem Moped, vierzig mit dem Fahrrad und in Laufschuhen … wisst ihr was? Vergesst es einfach. Immerhin, das Experiment „Morning-Run“ hat mir eine Erkenntnis beschert: Ich bin ein Nachmittags- und Abendläufer. Definitiv. Was, das habe ich weiter oben schon geschrieben? Hätte ich auch noch eine halbe Stunde liegen bleiben können. Vielleicht sehen wir uns ja  mal. Mittags oder Abends. Von mir aus auch Nachts. morgens garantiert nicht. Eure Marathonne. (Die Schulter tut immer noch weh)

Cookie-Regelung

Diese Website verwendet Cookies, zum Speichern von Informationen auf Ihrem Computer.

Stimmen Sie dem zu?