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Die Mai-Kolumne

Veröffentlicht am 29.07.2017

Mai-Kolumne

 

 

Return to (Doppel) Zentner

 

Seit zwei Wochen hat es mich mal wieder erwischt. Triefnase, chronischer Reizhusten und nun kam auch noch, „He, nehmt mich mit!“, eine Bindehautentzündung obendrauf. Dazu Kopfschmerzen und allgemeine Erschöpfung. An geregeltes Training ist nicht mehr zu denken. Der geplante Halbmarathon in zwei Wochen längst gecancelt. Vor drei Tagen bin ich mit Ingo eine feierabendliche Drei-Kilometer-Runde gelaufen. Mit einem 7er Schnitt. Danach war ich platt wie ein Autobahnfuchs und am nächsten Tag ging es mir noch fieser. Einige von euch haben mir dringend davon abgeraten, in meinem Zustand überhaupt Sport zu treiben. Nun ist in mir allerdings die Urangst aller Dicken tief verankert, dass, wenn ich nicht Laufe, ich innerhalb weniger Tage mehrere Kilo zunehme. Dass ich meinen Frust mit Süßkram und fettem Essen bekämpfe, macht es nur noch schlimmer. Return to Doppelzentner oder was? Elvis hat da doch auch mal was gesungen. Wenn das so weitergeht werde ich demnächst auch zur Brühwurst im Glitzeranzug. Was nun? Kürzer treten, auskurieren, dem Körper die Ruhe geben, die er verlangt. Das ist nicht so einfach für mich. Mein Geist ist rastlos, ruhelos und permanent neugierig. Ich bin einer der komplizierte Plots für 1800-Seiten-Romane in einer einzigen Nacht träumt, (tatsächlich geschehen) davon aus dem Schlaf schreckt und mitten in der Nacht die Eckdaten in den Laptop haut. Ein dystopisches Projekt, vor dem ich zunächst selber erschrocken bin. Das schreib’ ich, wenn ich in Rente bin. Auf dem Maimarkt mit meiner Verlegerin gleich den nächsten Solo & Tarzan Roman ausgeknobelt. „MaskenMord“. Fünf Tage lang Gespräche geführt, signiert, gelesen und für meine Bücher gebrannt. Heim, essen und ab ins Bett. Nächster Morgen zehn Stunden Lkw-Job. Aufladen, Abladen, Nachladen, Ladung sichern, Paletten stapeln, Tour ausarbeiten, Staus austricksen, schlecht gelaunte Kundschaft vollschleimen und die Kiste durch malerische Weindörfer quetschen. Alles mit Hundertpro Konzentration. Sonst schepperts. Geht gar net. Vor vier Jahren hat mich meine Ärztin in eine Reha geschickt. Diagnose: Burnout. Viel gelernt, viel vorgenommen. Gerade als ich mich wieder in der Spur hatte, passierte das Unglück mit meiner Moni. Hirnblutung, Überlebenschance 2%, wenn, dann schwerstbehindert. Die Ärzte irrten. Der liebe Gott auch. Er hat sie mir wieder zurückgegeben. Mittlerweile ist fast alles wieder gut. Fast. Entspanntes „Läbbe geht weiter“ ist nicht mehr. Sie hat ein Restaneurysma. Klein. Ungefährlich. Sagen die Ärzte. Wir wissen aber, dass es da ist. Entspannung? In der Reha nannten sie mich den manischen Manni. Stimmt. Ich rödele Tag und Nacht. Kein Wunder, wenn der Körper dann den Bremsfallschirm auslöst. Infekt. Krämer gibt keine Ruhe? Noch einen drauf. Immer noch erster beim Ratrace? Herzinfarkt. Dann ist Moni allein. DAS! Darf nicht passieren!

Trenn dich von dem, was dich belastet. Einer der Sprüche aus der Reha. Okay, weg mit den Krediten. Manchmal ist alles was ich brauche eine Tasse Kaffee und drei Millionen Euro. Dann aber weg mit der Steuererklärung. Die schiebe ich schon seit Januar vor mir her. Manfred heißt auf lateinisch Prokrastinateur. Mit einem vierstündigen Klimmzug vor dem Mac und mit dampfendem Laserdrucker habe ich das doch tatsächlich gepackt. Schulterklopf. Jetzt noch Rivermord fertigschreiben. Sind ja nur noch 130 Seiten. Schon schwieriger. Aber das belastet mich ja nicht. Das macht auch Freude. Okay. Dann kam Holger. Holger Moving Meier. Triathlet, Personal-Trainer und Ernährungsberater. Ein lieber Freund hat den Kontakt hergestellt. Danke Hartmut! Holger kennt sich aus. Der weiß von was er redet. Der weiß, das Laufen gut für kleines dickes Krämer ist. Nur nicht jetzt. Holger hat das gesagt, was auch viele von euch hier auf Facebook mir geraten haben: Lauf nicht, wenn du krank bist. Lauf dich nicht krank, lauf dich nicht kaputt, laufe um zu leben, nicht um tot umzufallen. Solche Worte von einem ehemaligen Leistungssportler zu hören, das beeindruckt mich. Der sagt nicht „Boah bist du fett, du musst unbedingt den Zehner unter einer Stunde laufen und du musst mindestens 45 Wochenkilometer ballern!“ Der sagt einfach nur: Laufe erst wieder wenn du mindestens eine Woche beschwerdefrei bist. Geh spazieren, leg’ dich in den Garten. Geh mit dem Fahrrad einkaufen, mach Yoga, ernähre dich vernünftig.

Diese Worte machten etwas wunderbares mit mir: ich begann mich zu entspannen. Spazierengehen, Radfahren, Yoga … Toll! Vernünftige Ernährung … Das wird schwer! Aber Holger hilft mir dabei. Und meiner Moni auch. Das können wir beide gut gebrauchen. Aber das ist dann eine eigene Kolumne wert.

 

Tschüßle bis denne, euer manischer Manni

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