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Die März-Kolumne

Veröffentlicht am 10.04.2017

Der liebe Gott lacht gerne, oder: warum ich keine Pläne mehr mache

 

Den Spruch habt ihr alle schon einmal gehört: „Willst du Gott zum Lachen bringen, erzähl ihm von deinen Plänen“. Ich kenne den schon sehr lange und ich erzähl dem großen Alten da oben überhaupt nix mehr! Nützt aber nichts. Seit sich bei mir auf dem oberen Hinterkopf langsam aber sicher eine Platte ausbreitet, kann der noch besser in meinen Hirnkasten schauen. Beispiel? Bitte sehr: vor vier Wochen, Wade gezerrt. Laufpause. Wade wieder gut, zwei Läufchen gemacht zum schonenden Wiedereinstieg, schließlich ist für das Frühjahr so einiges geplant: Sandhofer Straßenlauf, Affenlauf im Heidelberger Zoo, Spargellauf in LA. Aber Mr. Schicksal war in Spenderlaune! Wadel gut, Stimme aus den Wolken: „Krämer, was hast du da am Hals?“ Ich: „Am Hals? Nix!“ Stimme aus den Wolken: „Da hast ne Halsentzündung! Har har harrrr!“ Hals kratzt. Okay bisserl kratzen kratzt mich nicht. Am zweiten Tag war aus dem Kratzen ein übles Aua geworden, die Stimme rutschte in Don Vito Corleones Keller und der Schädel tat, als wären alle meine Single Malt Buddels plötzlich leer. Laufpause. Pause? Guter Witz. Okay, solche grippalen Scharmützel dauerten bei mir bisher maximal drei Tage. Bewährte Vorgehensweise: Ernährung auf rezeptfreie Medikamente, Kamillentee und alkoholhaltige Nachtsäfte umgestellt. Nach drei Tagen gesellte sich ein hartnäckiger Reizhusten dazu. Okay: dafür hat es in unserer Teekiste extra Reizhustentee. Der tat auch was draufsteht: kaum einen Schluck getrunken, hustete ich wie ein Mörser. Der Husten befeuerte den Kopfschmerz, der Hals fühlte sich an wie meine Parmesanreibe und von den 800 Gramm Salbeipastillen pro Tag wurde mir schlööcht. Laufen? Hä? Aus den drei Tagen wurden drei Wochen. Dann gute Idee gehabt! Zum Arzt gehen. Bei mir ist das eine richtig nette und dazu noch hübsche Frau Doktor, bei der ich durch Mitwirkung meiner dort arbeitenden richtig netten und wunderhübschen Tochter einen kurzfristigen Termin bekam. „Wie lange haben Sie das schon?“ „Drei Wochen“. „Idiot“. Das sagte sie nicht, aber ich hätte es ihr nicht mal verübelt. Antibiotika rein, Krätzhals, Brummschädel, Drachenhusten raus. Gut is. Das letzte Antibiotika nahm ich vorgestern. Den ersten Lauf (Läufchen, aber so richtig „chen“) gestern mit meinem Laufkoch (nicht Coach, wirklich Koch!) Ingo absolviert. Vier Kilometer auf der Rollatorrunde hinter dem Altenheim. 28 Minuten. Wenigstens keine halbe Stunde. Heute war eigentlich eine Wiederholung geplant, aber ich hatte am Nachmittag einen Termin in Heidelberg. Deshalb den geplanten Kleinteileeinkauf beim Bin-Doch-Blöd-Markt mit dem Fahrrad absolviert. 14 Kilometer. Immerhin. (Seit einem Jahr das erste Mal wieder auf meinem Biergartenbike gesessen) Mein Plan: Autsch, bloß keine Pläne! Am Freitag in Amsterdam eine Sightseeing-Runde im Lauftempo und anschließend gemütlich per Fahrrad um die Grachten gondeln. Amsterdam? Zwecks Recherche für meinen neuen Roman „RiverMord“ habe ich eine fünftägige Flusskreuzfahrt gebucht. Von Köln nach Holland und wieder retour. Darüber gibt es nächste Woche eine eigene Kolumne. So ist der Plan. Plan? Krämer! Also ich mach da jetzt ernst mit. Der einzige Lauf, für den ich im voraus gebucht habe, ist der Affenlauf im Heidelberger Zoo am  9. April. Da kriegt man sonst keinen Startplatz mehr. Ansonsten wird nix in Worten: N-I-X mehr geplant. Spargellauf? Wenn ich fit bin und wenn ich trainiert bin dann ja, ansonsten nicht. Sandhofer Straßenlauf? Da bin ich in Holland. Eventuell … kann ja sein, dass ich morgen früh aus dem Bett steige und mir die Knochen br… bloß nichts beschreien! Oder das der Rhein austrocknet, oder mein Zug nach Köln in den Südural umgeleitet wird, oder Donald Trump eine Mauer um Lampertheim zieht oder, oder, oder. Nein, lieber Gott. Ich mache keine Pläne mehr. Weder für die anstehende Reinigung meines Kaffeeautomaten, noch für irgendwelche Laufevents. Ich laufe, wenn ich Lust dazu habe, wenn ich es gesundheitlich verantworten kann und wenn es mir gut geht. Ein Halbmarathon im Herbst? Ein Staffelmarathon? Berglauf nächste Woche? So Gott will …

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