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Die April Kolumne

Veröffentlicht am 10.04.2017

Laufen ist affig?

 

In diesem Fall schon. Am Sonntag den 09. April veranstaltete der Heidelberger Zoo einen Spendenlauf für die Neugestaltung des Außenbereiches für die Kattas, eine Lemurenart. Von den dreißig Euro Startgeld gehen zwanzig direkt als Spende an den Zoo. Die Teilnehmer erhalten ein Funktionsshirt mit Affe drauf, eine Karte für kostenloses Parken im Parkhaus, eine Urkunde und eine Medaille. Der Heidelberger Affenlauf war rasch ausgebucht, da offiziell nur 300 Plätze zur Verfügung stehen. Der Grund: die Laufstrecke führt mitten durch den Zoo und zwar während dessen offizieller Öffnungszeit. Das heißt die Läuferinnen und Läufer teilen sich die Strecke mit Boller- und Kinderwagen und den regulären Besuchern. Ich bin diesmal mit einer 21-köpfigen Gruppe der Athletes for charity gelaufen. Ebenfalls mit von der Partie: Ingo - der rasende Fast-Sternekoch und Stefan, der seit einigen Wochen mit uns läuft, grillt und isst. (Das Trinken nicht zu vergessen!) Bereits um kurz nach acht Uhr morgens stehen wir fröstelnd im Eingangsbereich. Start ist um 9.00 Uhr. Die Sonne scheint und es sind Temperaturen um die 20°C vorausgesagt. Also raus aus den langen Buxen und die blassen Winterärmchen den zur Zeit noch einstelligen Werten ausgesetzt. Der Kurs führt vorbei an den Highlights wie Löwen, Elefanten und Robbenanlagen um dann über einen Wirtschaftseingang in Richtung der Sportanlagen und des Tierparkschwimmbades zu führen. Überall stehen Ordner des Zoos und weisen der hechelnden Karawane den Weg. Schon bald geht es links ab zum Neckarufer. Der Saumpfad am Ufer ist recht schmal, so dass ein Überholen manchmal schwierig wird. Besonders wenn zwei vollverdrahtete Damen mit halbgeschlossenen Augen verzückt den Rhythmen aus ihren iDingers lauschen, während sie Seit’ an Seit’ ihre (sehr) wohlgeformten Hüften in perfektem Gleichschritt wiegen. Da kommt schon der erste Überrunder von hinten! Ich höre seine schnellen Schritte, laviere meinen Modellkörper noch etwas weiter nach rechts. Der schnelle Hirsch klatscht laut und ausdauernd in die Hände, was die beiden trotz Justin Bieber, Ramazotti oder Bourani tatsächlich erreicht und zu einem erschreckten Haken nötigt. Zweihundert Meter vor uns führt der Wehrsteg über den Fluss. hier geht es auf breiterem Geläuf wieder zurück in den Zoo und ich kann die musikalischen Laufkameradinnen auch ohne Warnsignale passieren. Quasi durch die Hintertür gelangen wir wieder in den Zoo und sind schon kurz darauf wieder am Affenhaus. Die erste Runde ist geschafft. Die ist ca. 3100m lang. Jeder kann frei entscheiden ob er eine, zwei oder drei Runden laufen will und viele, denen es hauptsächlich um den Spaß und die Atmosphäre ging, scheren hier bereits aus und gönnen sich an der Wasserstelle erfrischendes Mineralwasser. Ich habe mir vorgenommen drei Runden zu laufen. Ingo und Stefan sind nicht mehr bei mir. Das Feld entzerrt sich und ich habe endlich genügend Platz um mich herum. Ein alter Laufkumpan hatte mir einmal den nur ganz leicht sexistisch angehauchten Rat gegeben: „Such dir einen schönen Hintern und lauf ihm hinterher.“ Okay, schöne Hintern gibt es hier jede Menge aber … die sind alle richtig flott unterwegs. Zu flott für einen etwas (ETWAS!) übergewichtigen Sechsender wie mich. Egal. Mir geht es gut. Mein Zwickwadel scheint sich endlich wieder eingekriegt zu haben. Lediglich die Erkältung und der Reizhusten melden sich ab und an noch hartnäckig. Aber alles im Rahmen eines Rückzugsgefechtes. Ein Blick zur Uhr: 6.23min/km. Okay, mit unter einer Stunde dürfte das heute nix werden, aber ich fühle mich wohl, genieße die Sonne und das frische Frühlingsgrün um mich herum. Jetzt kommen schon öfter Überrunder angeprescht, die bereits auf der dritten Runde unterwegs sind. Am Neckarufer gebe ich vorsichtig etwas mehr Gas. Geht doch! (freu) Ab dem Wehrsteg forciere ich das Tempo, was natürlich auf den letzten 600 Metern nicht wirklich was bringt, aber ich habe Spaß. 5:40min/km stehen kurzfristig auf der Uhr, als ich mich mutterseelenallein am Affenhaus in die Kurve lege. Da ist schon die Zeitnahme! Ha! Altes dickes Krämer in 01.03-gequetschte die 9,3 Kilometer geschafft. Nix berühmtes, aber mir gefällt’s. Den Laufkumpanen auch, die mich johlend begrüßen. Stefan ist auch dabei. Was? Ist der etwa unbemerkt an mir vorbei gerauscht? Er ist nach der zweiten Runde raus, weil er Probleme mit  einem Fuß hatte. Wollte lieber Vorsicht walten lassen. Ja es gibt sie noch: Vernunft in Läuferhirnen. Wo ist das Köchlein? Der sei noch auf der Strecke. Also Handy raus und an den Zieleinlauf gepilgert. Da kommt er auch schon: Volldampf, gibt alles, wie beim Grillen. Kaum zu glauben, dass der vor wenigen Monaten sich von mir zu seinen ersten Laufschritten überreden ließ. In einem Vierteljahr läuft der mir auf und davon. Ein Koch eben: den ganzen Tag und die halbe Nacht auf den Beinen. Stehvermögen und Ausdauer sind hier Berufstugenden. Mittlerweile ist auch die Fanbase eingetroffen: Die Familien meiner Laufkumpels gratulieren uns und gemeinsam geht’s zunächst zur Robbenfütterung und im Anschluss an die Wurstbude. Currywurst mit Pommes-Schranke, Bölkstoff und belgische Waffeln, Eiskrem, Latte Macchiatto. Kurz: alles was die Energiespeicher der Leistungsläufer möglichst rasch wieder zum Überlaufen bringt. Irgendwo an der Strecke stand eine große Waage. Da konnten sich ganze Sippen daraufstellen und schauen, ob sie an das Gewicht eines asiatischen Elefantenbullen heranreichten. Wir sind daran vorbeigelaufen. Sieben Tonnen? Pah! Was sind schon Elefantenbullen gegen uns Laufaffen.

Eines steht für uns jetzt schon fest: nächstes Jahr rennen wir wieder durch den Zoo. Die Waffeln waren nämlich wirklich lecker!

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